Ludwig Baumann 2014 01Dem im Juli verstorbenen Vorsitzenden der Bundesvereinigung Opfer der Militärjustiz, Ludwig Baumann, soll rückwirkend die NS-Opferrente gekürzt werden. Baumann hatte sich als zwangsverpflichteter Wehrmachtsoldat der Beteiligung an NS-Kriegsverbrechen verweigert, war zum Tode verurteilt und später zu KZ-Haft "begnadigt" worden. Von 1993 bis zu seinem Tod bezog Baumann eine Rente nach den Härterichtlinien des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes (AKG). Diese sollte dem „Ausgleich für erlittenes Unrecht“ dienen und musste gegen große Widerstände erstritten werden. Eine Anerkennung als Opfer der NS-Gewaltherrschaft im Sinne des Bundesentschädigungsgesetzes und die damit einhergehende Entschädigungsrente war ihm - wie anderen Opfern der NS-Militärjustiz - verwehrt geblieben. Nun sind seine Nachkommen mit einer Rückforderung in Höhe von knapp 3.500 € konfrontiert, die zunächst an den bereits Verstorbenen und dann an seinen Sohn gerichtet wurde. Als Begründung wurde Baumanns Umzug in ein Altenpflegeheim im vergangenen Jahr genannt, die ihn lediglich zu einem „Heimtaschengeld“ berechtige.

Diese Kürzung der – ohnehin bestenfalls als symbolisch zu bezeichnenden – Anerkennungsleistung für das erlittene Leid ist eine skandalöse Demütigung der Opfer der Militärjustiz. Sie waren es, die den Mut hatten, sich der Beteiligung an den Kriegsverbrechen der Wehrmacht zu widersetzen. Das bedarf dringend einer angemessen Würdigung. Es ist unerträglich, dass es bis heute Menschen gibt, die als Opfer zweiter Klasse behandelt werden. Wir fordern die Anerkennung und Gleichstellung aller Verfolgten des Nationalsozialismus!

Pressemitteilung der Bundesvereinigung Opfer der Militärjustiz