Köln, 06.02.2019 - Trotz intensiver Bemühungen des Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. erhält die Mehrzahl der noch lebenden ehemaligen russischen Kriegsgefangenen in Kasachstan keine finanzielle Anerkennung für das erlittene Unrecht. Und das nicht etwa, weil es keine Beweise für ihr Schicksal gäbe, sondern weil sie zu spät von der Aussicht auf eine „Anerkennungsleistung“ aus Deutschland erfuhren. Diese Einmalzahlung in Höhe von 2.500 Euro wurde von der Bundesregierung im Jahr 2015 – 70 Jahre nach Kriegsende – auf den Weg gebracht. Zugleich wurde die Möglichkeit zur Antragstellung durch eine Frist zeitlich begrenzt.

Ganze 67 Anträge aus Kasachstan waren beim Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) fristgerecht eingegangen, obwohl es dort noch mindestens doppelt so viele Überlebende der deutschen Kriegsgefangenschaft gibt. Ende 2018 war der Bundesverband auf 114 ehemalige Kriegsgefangene in Kasachstan aufmerksam geworden, die erst nach Ablauf der Frist von der Möglichkeit einer Antragstellung erfahren hatten. Die Bemühungen des Bundesverbands, das Bundesfinanzministerium zu einer empathischen Lösung für das Problem der Fristversäumnis zu bewegen, liefen ins Leere. Dabei ist es angesichts der überschaubaren Zahl potentieller Antragsteller unverständlich, dass überhaupt eine Frist gesetzt wurde.

Von den 5,7 Millionen Soldaten der Roten Armee, die von deutschen Truppen gefangen genommen wurden, starben 3,3 Millionen in der Gefangenschaft. Sie wurden ermordet oder zu Tode gearbeitet, verhungerten, oder starben an Seuchen. Heute geht man von höchstens 4.000 noch lebenden ehemaligen Kriegsgefangenen aus. Eine Entschädigung für die geleistete Zwangs- oder Sklavenarbeit blieb den wenigen Überlebenden der deutschen Kriegsgefangenschaft zeitlebens verwehrt.

„Angesichts dieser Zahlen und des äußerst bescheidenen Umfangs der so genannten Anerkennungsleistung ist es beschämend, wenn man sich nun auf eine willkürlich gesetzte Befristung für die Antragstellung zurückzieht“, sagt Dr. Jost Rebentisch, Geschäftsführer des Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. „Mit der Aufhebung der Antragsbefristung würde man einen Fehler beheben, der so niemals hätte gemacht werden dürfen.“

Eine entsprechende Forderung war bereits Anfang 2017 von der Linksfraktion im Bundestag erhoben worden, als sich abzeichnete, dass die Antragstellungen weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Die damit verbundenen Kosten wären sehr überschaubar. So aber bleibt der Eindruck, als wolle man an dem ohnehin sehr geringen zur Verfügung gestellten Volumen durch Beharren auf einer inhumanen Fristregelung auch noch zusätzlich sparen.